Projekt zum Kindesschutz aus der Perspektive der Kinder und Eltern abgeschlossen

Bis in die 1970er Jahre wurden Kinder und Jugendliche in der Schweiz häufig ohne Information aus ihren Familien genommen. Sie wussten nicht, was mit ihnen geschah und konnten ihre Rechte nicht geltend machen.

In der Schweiz wurden Kinder und Jugendliche bis in die 1970er Jahre häufig ohne oder mit unzureichender Information über eine bevorstehende Fremdplatzierung aus ihren Familien genommen. Sie wussten weder, was geschah, noch warum es geschah oder wo sie hingebracht wurden. Dies führte zu einem oft traumatisierenden und verstörenden Erlebnis für die Betroffenen. Die Vielzahl rechtlicher Grundlagen und Praktiken der Fremdplatzierung in der Schweiz war für Kinder und Jugendliche nicht nachvollziehbar. Unterschiedliche kantonale Regelungen aufgrund der föderalistischen Strukturen verstärkten das Problem. Kantone, Vormundschaftsbehörden und weitere Akteure hatten sehr grosse Handlungsspielräume. Kinder und Jugendliche hingegen konnten ihre Rechte kaum geltend machen, was zu Willkür und Ungleichheit führte.

Erst im Jahr 2013 sicherte die Reform des Kindes- und Erwachsenenschutzrechts grundlegende Verfahrensrechte von Eltern und Kindern. Doch die Vorschriften für Kindesschutzverfahren sind noch nicht auf die besonderen Bedürfnisse von Kindern und Familien abgestimmt. Das führt zu einem Flickenteppich von Normen. Darüber hinaus ist im Gesetz nicht detailliert genug geregelt, wie Kinder im Verfahren mitwirken können. In anderen Ländern wird den Beteiligungsrechten von Kindern deutlich mehr Gewicht gegeben und es gibt Vorschriften dazu, wie sich Kinder in Verfahren einbringen und auf Entscheidungen Einfluss nehmen können. Die Ergebnisse zeigen insgesamt, dass es in der Schweiz gute Ansätze zur Förderung der Integrität, Autonomie und Beteiligung von Kindern und Eltern gibt. Diese sind jedoch nicht Teil der Gesetzgebung oder des Verfahrensrechts, sondern hängen von der Haltung der Fachpersonen, ihrer individuellen Bereitschaft und Kompetenz sowie organisatorischen Faktoren, wie z.B. zeitlichen Ressourcen, ab.